In einer kleinen, abgelegenen Stadt, wo der Schnee leise auf die Dächer fiel, bereitete sich die Gemeinschaft auf das Weihnachtsfest vor. Lichter erstrahlten in den Fenstern, und der Duft von frisch gebackenen Plätzchen erfüllte die Luft. Doch dieses Jahr war alles anders. Ein seltsames Flüstern drang durch die Straßen, und die Menschen begannen, merkwürdige Dinge zu berichten.
Elena, eine junge Frau, die in einem alten, verwitterten Haus lebte, hatte in der Nacht vor Weihnachten einen Traum. Ein Schatten, geformt wie ein Kind, erschien ihr und rief sie mit einer unheimlichen Stimme. „Komm mit mir“, flüsterte es, „und sieh die Wahrheit hinter dem Fest.“
Am nächsten Morgen war Elena geweckt worden von einem dumpfen Klopfen an der Tür. Zögernd öffnete sie und fand einen kleinen, schwarzen Sack vor der Schwelle. Neugierig öffnete sie den Sack und fand darin ein altes, verstaubtes Spielzeug – eine rissige Holzpuppe mit leeren Augen, die ihr direkt ins Herz zu blicken schien.
In der folgenden Nacht geschah etwas Unheimliches. Die Puppe begann zu reden, ihre Stimme war das Echo des Schattens aus Elenas Traum. „Weihnachten ist mehr als Freude und Licht“, sagte sie. „Es verbirgt dunkle Geheimnisse, die nur darauf warten, ans Licht zu kommen.“
Gerade als Elena die Puppe zurück in den Sack werfen wollte, hörte sie das heisere Lachen der Puppe. „Zu spät!“, kicherte sie. „Es ist bereits zu spät!“
Von diesem Moment an begann Elena, merkwürdige Dinge zu sehen. Die fröhlichen Weihnachtslichter verwandelten sich in verzerrte Gesichter, die fröhlichen Lieder klangen wie anklagende Schreie. Nachbarn verschwanden spurlos, und die Stadt wurde von einer schleichenden Dunkelheit umhüllt.
Am Heiligabend sah Elena erneut den Schatten des Kindes, das sie jetzt umgeben von den verschwundenen Bewohnern wiedersah. „Du hast die Wahrheit gesucht“, flüsterte er, „und sie zu finden ist das größte Geschenk von allen.“
Ob die Stadt sich jemals von diesem Fluch erholte, wusste niemand. Aber jedes Jahr, wenn der Schnee fiel, spürten die noch Lebenden das Flüstern des Schattens und die eisige Umarmung des Weihnachtsfestes, das sie niemals wieder so feiern konnten wie zuvor.

Leave a comment