Herr Müller

Es war einmal ein geiziger Mann namens Herr Müller, der in einem prächtigen Haus am Rande der Stadt lebte. Sein Reichtum war unermesslich, doch sein Herz waren leer. Während er auf seinem goldenen Thron saß und seinen Reichtum zählte, vergaß er die Menschen, die ihm am nächsten standen: seine Frau, Anna, und ihre beiden Kinder, Max und Lina.

Herr Müller war bekannt dafür, niemals etwas auszugeben. Er lebte in einer Welt des Überflusses, doch alles, was er besaß, war für ihn allein. Die Wände seines Hauses waren mit teuren Gemälden geschmückt, während Anna in der Küche mit abgelaufenen Lebensmitteln jonglierte, die Herr Müller nicht für wert hielt, zu ersetzen. Max und Lina haderten oft mit ihrem Vater: „Papa, können wir einen neuen Ball bekommen?“ Doch Herr Müller schüttelte nur den Kopf und erwiderte kalt: „Ihr habt genug, genießt es!“

Eines stürmischen Abends beschloss die Familie, ihn zu überraschen und einen kleinen, festlichen Abend zu organisieren. Sie sammelten ihr gesamtes Taschengeld, um eine einfache, aber liebevolle Feier vorzubereiten. Als Herr Müller das Mahl sah, wandte er sich ab. „Das ist alles?“, spottete er. Enttäuscht und verletzt zogen sich Anna, Max und Lina in ihr Zimmer zurück, während Herr Müller sich wieder seinem Gold und seinen Münzen zuwandte.

Die Wochen vergingen, und der Abstand zwischen Herrn Müller und seiner Familie wuchs. Eines Nachts jedoch, als er in seinem stillen, dunklen Haus alleine saß, bemerkte er plötzlich die Stille. Kein Lachen, keine Stimmen, kein Licht aus den Kinderzimmern – nur die leere Echo seines eigenen Lebens.

Gestört von der Einsamkeit, griff er zu einem alten Foto seiner Familie. Er sah, wie glücklich sie waren, als sie zusammen spielten, lachten und sich umarmten. Ein Gefühl der Traurigkeit überkam ihn. „Was habe ich getan?“, murmelte er und erkannte, dass kein Geld der Welt die Liebe seiner Familie ersetzen konnte.

Am nächsten Morgen klopfte er an die Tür zu ihren Zimmern, doch es war niemand dort. Sie waren zu einer Verwandten in die Stadt gezogen, um der Kälte seines Herzens zu entfliehen. Herr Müller fühlte sich wie ein Gefangener seiner eigenen Gier.

In den Wochen, die folgten, versuchte er, sie zu finden, aber die Suche schien vergeblich, und sein Haus war nur noch eine Hülle.

Endlich, eines Tages, als der Winter ins Land zog, stand er an der Stelle, wo er einst mit Anna, Max und Lina gelacht hatte. Er starrte in den Himmel und flehte um eine zweite Chance. Von diesem Tag an begann er, den Reichtum, den er so lange gehortet hatte, mit denen zu teilen, die er geliebt hatte. Doch

das größte Geschenk, das er gesucht hatte, war die Liebe, die er bereits verloren hatte. So blieb Herr Müller allein, um in dieser Leere zu leben, und lernte, dass Reichtum ohne Liebe nichts wert ist.

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